Tag-61: Indiens Geschichte
- Zeugnisse der Harappa-Kultur (2500-1500 v.u.Z.)Durch Ausgrabungen in den zwanziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts wurden Reste der ältesten städtischen Kultur auf indischem Boden freigelegt, die sich vom Industal im nordwestlichen Punjab (heute Pakistan) bis Gujerat erstreckte. Die nach einem der wichtigsten Fundorte, Harappa, benannte Kultur übertraf an staatlicher und wirtschaftlicher Organisation alle anderen Städte dieser Geschichtsepoche.Ihre wichtigsten Stadtzentren, Harappa und Mohenjodaro, zeichnen sich durch planmäßig rechteckig angelegte Straßenzüge, mehrstöckige Häuser aus gebrannten Ziegeln und ein modern anmutendes Kanalisationssystem aus.Die ausgegrabenen Specksteinsiegel und Statuetten aus Stein und Bronze zeugen von hoher handwerklicher und künstlerischer Fähigkeit. Die auf den Siegeln enthaltenen Schriftzeichen konnten bis heute nicht entziffert werden, so daß auch über die religiösen Vorstellungen dieser Zeit nur Vermutungen möglich sind.
Wie bildliche Darstellungen auf den Siegeln belegen, herrschte ein Fruchtbarkeitskult, in dessen Mittelpunkt ein Prototyp des späteren Gottes Shive und die Muttergöttin standen. Die Entdeckung dieser hochentwickelten Stadtkultur auf dem Boden des südasiatischen Subkontinentes veränderte das bestehende Geschichtsbild wesentlich. Erkennbare Beziehungen zu den bedeutenden vorderasiatischen Kulturen des 3. Jahrtausends v.u.Z. gliedern die Harappa-Kultur in die wichtigsten frühgeschichtlichen Zentren der Welt mit hoher kultureller und wirtschaftlicher Blüte ein.
- Der Vedismus – die wesentlich auf Naturkulten beruhende Religion der arischen Bevölkerung, die etwa seit 900 v.u.Z. in die nordindische Gangestiefebene vordrang und in der Verschmelzung mit der ansässigen Bevölkerung und Kultur die indo-arische Gesellschaft bildete.
In der Literatur der Veden, einer gewaltigen in Sanskrit aufgezeichneten Sammlung von Liedern, Sprüchen, Opferritualen, Kulten und Bräuchen, sind die ideologischen Vorstellungen jener Zeit überliefert.
Die auf dem Veda fußenden theologischen Erörterungen in den Brahmanas und Upanishaden zur Rolle des Opfers und des Opferpriesters (des Brahmanen) und die Gliederung der Gesellschaft in rituell Reine und rituell Unreine, wie sie im Kastenwesen überliefert ist, kennzeichnet die Entwicklung der 2. Etappe, des Brahmanismus.
Die Götterwelt wurde deutlicher und differenzierter, und der Urgrund des Seins erschien im Brahme, in der absoluten Weltseele.
Der Aufnahme zahlreicher weiterer Ideen, Gottheiten, Geister und Riten verdankt der spätere Hinduismus seine Gestalt.
Die Hauptlehre beruht auf der Vorstellung, daß ein ewiges Weltgesetz (sanatana dharma) den gesamten Kosmos in seinem Werden und Vergehen bestimmt. Ausdruck dessen ist die Kette von Wiedergeburten (samsare), der jedes Wesen unterliegt und die durch die Vergeltung der Taten (karma) automatisch funktioniert.
Das Endziel ist die Erlösung (moksha) aus dem Kreislauf der Wiedergeburten und das Eingehen in die Allseele (atma).
Die Wege, die zur völligen Befreiung aus der Vergeltungsregel führen können, werden von den verschiedenen theologischen Strömungen und Sekten vielfältig definiert. Ein Individuum kann jeweils nur den Weg gehen, der seiner sozialen Rangordnung innerhalb des Kasten-systeme entspricht. Vier Hauptkasten bilden das oberste Eintei-lungsprinzip der Gesellschaft: Die Brahmanen, Priester und Schriftgelehrten, denen die heiligen Schriften zugänglich sind und die daher zugleich als Lehrer für die übrigen fungieren, bilden die höchste Kaste. Ihnen folgen die Kshatriya (Könige, Fürsten, Krieger), die Baishya (vornehmlich Händler) und die Shudra (Beuern).
Eine Fülle von Gottheiten und Geistern beeinflussen das leben jedes Wesens von der Empfängnis bis nach dem Tode.
Daher erscheint es den Menschen notwendig, sich ihrer in Kulthandlungen und durch Opfer zu versichern und ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Die drei obersten Gottheiten des hinduistischen Panthe ans sind Brahma, Vishnu und Shiva.
Sie werden sowohl einzeln von jeweiligen Anhängern an die Spitze der Verehrung gestellt, als auch in Form einer Drei-Einheit (Trimurti) zusammengefaßt und als Ausdruck der drei hauptsächlichen Aspekte einer Allgottheit interpretiert.
Ein Abbild dessen befindet sich bereits in einer Höhle von Elephanta aus dem 8. Jh.u.Z.
- Buddha – Im 6. Jh. v.u.Z. wird im Auftreten und in der lehre Buddhas der Humanismus hervorragend betont. Der Mensch steht im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Geschehens.
- Ashoka – Der Maurya-Kaiser (274-252 v.u.Z.) erhebt die buddhistischen Lehren zur Staatsreligion seines Riesenreiches.Seine inschriftliche Willenskundgebungen bezeugen Toleranz und humanistisches Denken.
- Ramanuja – Der im 12. Jh. u.Z. lebende hinduistische Philosoph ist einer der bedeutendsten Kommentatoren des Vedenta und Begründer der Sri Vaishnava Sekte in Indien, deren Hauptverehrung dem Gott Vishnu gilt.
- Akbar – Bedeutendste Herrschergestalt der Moghul-Dynastie (1556-1605)
- 1600 England gegen Indien
- 1602 Holland gegen Indien
- 1664 Frankreich gegen Indien
- Ram Mohun Roy – (1774-1833) Er gilt als der Begründer der sog. indischen Renaissance in Bengalen. „Es ist nicht unsere Religion, noch weniger unsere Hauptaufgabe, die Tugend erzeugt. Tugend muß geübt werden. Deshalb füge niemandem zu, was du nicht willst, daß man dir zufüge.“Seiner klugen Regierung gelang die Eroberung und Vereinigung eines großen Teils des Subkontinentes zu einem innerlich gefestigten Staatsgebilde.Universalistische Ideen einer allgemeinen Toleranz und umfassender Humanismus prägten sein Handeln. Er verlegte die Hauptstadt des Reiches von Delhi nach Agra.
- Tagore (1861-1941) – Größter indiacher Dichter, ein großer Humanist, dessen gesamtes Leben und Werk von dem unerschütterlichen Glauben an die Zukunft des Menschen und der Achtung vor dem Leben geprägt war.
- Nehru (1889-1964) Zusammen mit Mahatma Gandhi war er ein bedeutender Kämpfer um die nationale Befreiung und der erste Ministerpräsident des unabhängigen Indien.
- Gandhi – Der Mahatma wurde 1869 geboren und 1948 von reaktionären Hindukräften ermordet.Er ist der bedeutendste Führer zur Unabhängigkeit Indiens, zur nationalen Selbstbesinnung und Erneuerung. Eine nationale Gedenkstätte in Delhi hält seine Ideen und Taten wach.
Nach hartem, langem Ringen un nationale Selbstbestimmung, um kulturelle wie nationale Identität und politische Selbständigkeit konnte 1947 die Epoche kolonialer Ausbeutung abgeschlossen werden.
Die erste Verfassung, die am 26.1.1950 mit der Ausrufung der Republik in Kraft trat, galt einem aus vielen Nationalitäten, ethnischen Gruppen und komplizierter sozialer Schichtung bestehenden Staatswesen. Eine durch die Kolonialpolitik zerrüttete Wirtschaft einerseits, eine große bedeutende Landes- und Kulturgeschichte andererseits und die Zuversicht seiner Führer in die Kraft des werktätigen Volkes sowie die Entdeckung der nationalen Werte waren das Erbe und der Schatz des jungen Staates.
Heute gehört die Indische Union nach dem Industrieaufkommen zu den 10 führenden Ländern der Erde.
Auf der anderen Seite muß das Land als eines der 10 ärmsten Länder der Welt (nach dem Pro-Kopf-Einkommen) ständig mit ungeheuren Anstrengungen gegen Hunger, Armut und nackte Existenznot seiner Bevölkerung kämpfen.
Dies deutet die Probleme an, denen sich jede Regierung des Staatswesens immer wieder stellen muß.
Gegenwärtig leben etwa 500 Mio.
Menschen in Indien, die 14 Hauptsprachen und mehr als 300 Dialekte sprechen.
Sie gehören zu vier großen Sprachfamilien, zur indo-europäischen (überwiegend nordindische Sprachen), zur drawidischen (südindische Sprachen), zur tibeto-burmanischen (nordöstliche Völkerschaften) und austro-asiatischen Sprachfamilie (Völkerschaften und Stammesgruppen in Zentralindien).
Die verfassungsmäßige Amtssprache ist Hindi.
Englisch wird noch weitgehend für den zwischenstaatlichen Verkehr benutzt sowie an allen Universitäten und Hoch-schulen.
Indien ist eine Republik mit förderativer Struktur.
Sie besteht aus 21 gleichberechtigten Unionsstaaten und neun zentral verwalteten Unionsgebieten. Entsprechend seiner Fläche nimmt die Indische Union den 7. Platz unter allen Ländern der Erde ein.
1972 nahmen Indien und die damalige DDR volle diplomatische Beziehungen auf.
Seit dieser Zeit entwickeln sich kontinuierlich kulturelle, wirtschaftliche und politische Beziehungen zwischen beiden Ländern, die von gegenseitiger Achtung und der Souveränität beider Staaten getragen sind.
Die Kultur des Hinduismus
Das den Subkontinent prägende System des Hinduismus ist ein Konglomerat aus ethischen, moralischen, sozialen, philosophischen, rituellen und religiösen Anschauungen. In seiner Vielfalt, Widersprüchlichkeit und zeitlich verschiedenen Betonung unterschiedlicher Aspekte widerspiegelt der Hinduismus die multiethnische und multinationale Entwicklung des Landes, die kulturellen wie religiösen Äußerungen der unterschiedlichen Bevölkerungsschichten, die das Gesamtsystem formten.
Obwohl nicht klar trennbar, sind deutlich drei Etappen im historischen Entstehen des heutigen Hinduismus zu erkennen:
Etwa 86% der Bevölkerung Indiens bezeichnen sich heute als Hindu.


