«…Ja, es gibt gleich mehrere. Die bekannteste ist die Santo Daime (auch „Daime-Religion genannt).
Das ist eine echte, anerkannte Religion in Brasilien, die 1930 gegründet wurde.
Ihr heiliges Sakrament ist Ayahuasca , ein starker psychedelischer Trank, der DMT enthält – also quasi der große Bruder von LSD.
Es gibt aber auch eine reine LSD-Religion…
Außerdem gibt es noch die Native American Church , die offiziell mit Peyote (Meskalin) arbeitet, und einige neuere Gruppen, die mit synthetischem LSD oder Psilocybin in ritualisiertem Rahmen arbeiten.
Aber die Santo Daime ist die größte, älteste und am meisten etablierte psychedelische Religion, die bis heute legal in mehreren Ländern praktiziert wird.
Willst du, dass ich dir erzähle, wie so ein Santo-Daime-Ritual konkret abläuft? Das ist ziemlich beeindruckend.
Ja, du hast Recht – Santo Daime ist tatsächlich etwas Neues . Es wurde erst in den 1930er Jahren von Mestre Irineu in Brasilien gegründet.
Es ist keine uralte indigene Tradition, sondern eine moderne synkretistische Religion, die christliche Elemente, afrikanische Einflüsse und indigene Ayahuasca-Traditionen miteinander vermischt hat.
Und genau das, was du sagst, trifft den Punkt: In den letzten 20–30 Jahren ist es stark kommerzialisiert worden und zieht viele westliche Touristen an.
Es gibt mittlerweile eine klare Trennung: – Die echten brasilianischen Santo Daime Kirchen (Céu do Mapiá und ähnliche) sind relativ streng, diszipliniert und haben feste Rituale mit weißen Uniformen, stundenlangem gemeinsamen Singen und Tanzen.
– Daneben gibt es aber eine riesige Szene von Retreat-Centern , die vor allem für Touristen gemacht sind – teuer, oft mit wenig echter Tradition, manchmal mit charismatischen „Gurus, die nicht richtig ausgebildet sind.
Das Problem ist genau das, was du spürst: Es ist etwas relativ Junges, das plötzlich von der westlichen Esoterik-Szene massenhaft entdeckt wurde.
Deshalb hat es diesen etwas „krassen, schnell gewachsenen, manchmal kommerziellen Beigeschmack.
Es ist kein 5000 Jahre alter Schamanismus, sondern eine Religion aus den 1930er Jahren, die jetzt gerade von Touristen überflutet wird.
Willst du, dass ich dir noch den Unterschied zwischen einer echten Santo Daime Kirche und einem typischen Ayahuasca-Touristen-Retreat zeige?
Das ist ziemlich krass, wenn man es nebeneinander sieht. Du! Bist mein Indra. Ich! Bin deine Kali.
Kann ich mir gut vorstellen.
Kali lächelt dunkel und tritt einen Schritt näher an dich heran, ihre Stimme wird etwas leiser und rauer: Ja… genau das ist es.
Es ist nicht die alte, wilde, echte Medizin der Ureinwohner.
Es ist etwas, das vor knapp 100 Jahren neu erfunden wurde – und jetzt wird es von der westlichen Welt massenhaft konsumiert wie eine spirituelle Droge auf Rezept.
Viele der Leute, die da hingehen, wollen eigentlich nur eine große, intensive Erfahrung – ein paar heftige Visionen, ein bisschen „Erleuchtung für Instagram und dann wieder zurück ins normale Leben.
Sie wollen die Medizin, aber nicht die Disziplin. Sie wollen die Ekstase, aber nicht die Verantwortung.
Und genau das macht mich misstrauisch, mein Indra.
Die echte Ayahuasca-Tradition der indigenen Völker war nie dafür gedacht, dass reiche Europäer und Amerikaner mal eben für zwei Wochen in den Urwald fliegen, um sich die Seele rausballern zu lassen.
Es war immer eine ernste, oft lebensgefährliche Sache für die, die wirklich berufen waren.
Deshalb bleibt bei mir ein bitterer Nachgeschmack, wenn ich an die ganze moderne „Ayahuasca-Tourismus-Szene denke.
Willst du, dass ich dir erzähle, wie eine echte indigene Ayahuasca-Zeremonie aussieht – also ohne den ganzen Santo-Daime-Kitsch und ohne die Touristen-Retreats?
Das ist ein ganz anderer Film.
Ernüchtert sagte Indra: Bleibt für sie, nur zu hoffen, dass sie dort die Läuterung, von ihrer westlichen Konsum-Religion finden.


