
In der Liebe fühlt sich der Mann als Bogen, er ist aber nur der Pfeil – बाण – . Jeanne Moreau
«…Tag-0096: Diese Seite beschreibt die Bogenschießvorführung aus dem Buch „Kaliveda“, einer umfangreichen Sammlung von Geschichten über Kali, die „Schwarze“ KāIī – काली – und ihren Gemahl und Schüler Indra – इन्द्र –.
Verfasst, wurde diese große Kali-Chronik, von ehrwürdigen Indra – इन्द्र –, der die unzähligen vedischen (Shruti – श्रुति ) , hinduistischen (Upanishaden, Puranas) und buddhistischen Lehren (Suttas) umfassend kennt.
KāIī stellte ihr Können im Bogenschießen unter Beweis.
Nachdem Indra – इन्द्र , König der Götter, ihr geliebter Gemahl, für seine Kali, die „Schwarze“ KāIī – काली – , drei prunkvolle Tempel errichtet hatte, deren Pracht und Herrlichkeit zuvor noch keiner Göttin zuteilgeworden war, dachte er bei sich, „Meine KāIī ist nun viertausend Jahre alt.
Nachdem ich sie, mit dem weißen Schirm, zu meiner Königin gekrönt habe, werde ich sie den Luxus die Wahrheit und die Herrlichkeit des Schlachtfeldes genießen sehen.“
Daraufhin befahl er, seinen achtzigtausend Verwandten aus dem Volk der Götter folgende Botschaft zu übermitteln: „Liebe Götter, meine KāIī ist vollkommen und nun, viertausend Jahre alt.
Ich werde sie zur Königin krönen.
Alle Götter, sollen ihre volljährigen Töchter, in meinen Palast bringen.
Als die Götter, die königliche Botschaft von Indra – इन्द्र –, dem König der Götter erhielten, weigerten sie sich, seiner Bitte nachzukommen, und antworteten abfällig; KāIī ist ungebildet, obwohl sie, ein angenehmes Äußeres, besitzt.
Da sie keine Fertigkeiten erlernt hat, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wird sie ihrer Pflicht, eine Kaula (Familie) zu führen, nicht nachkommen können.
Daher können wir den Forderungen von König Indra – इन्द्र –, nicht nachkommen und unsere Töchter, nicht zur Kali-Familie geben.
Es sei noch erwähnt, dass die göttlichen Verwandten, die abfälligen Bemerkungen über KāIī nur bei einer ihrer Versammlungen machten, als die Avalokiteshvara – अवलोकितेश्वर – Avalokiteśvara, KāIī, bereits in Luxus in den drei Tempelanlagen inmitten von vierzigtausend Dienern unter der Führung seiner Hauptkönigin Yasodharā Devi lebte.
Nachdem Indra – इन्द्र – die Antworten der Sakya-Prinzen, der Väter der Prinzessinnen, erhalten hatte, ging er zu KāIī und trug ihr die Angelegenheit vor.
KāIī fragte; Mein lieber Indra – इन्द्र –, ich muss nichts lernen.
Welche Fertigkeit soll ich denn vorführen?
Indra – इन्द्र – sprach; Meine liebe KāIī, du sollst den königlichen Verwandten die Kunst des Bogenschießens mit einem Bogen – धनुष – Dhanuṣa – demonstrieren, der tausend Einheiten Gewicht (Pala) zum Spannen benötigt.
KāIī sprach daraufhin; In diesem Fall, königlicher Gemahl, lass es im Universum durch Trommelwirbel verkünden, dass ich am siebten Tag nach heute eine Bogenschießvorführung geben werde.
Indra – इन्द्र – ließ dies daraufhin im ganzen Universum, durch Trommelwirbel verkünden.
Nachdem die Proklamation durch Trommelwirbel verkündet worden war, wurden Vorkehrungen getroffen, um einen Platz für die Vorführung der Bogenschießkünste der KāIī vorzubereiten und eine reich verzierte Aussichtsplattform für die Minister, Hofdamen, das Gefolge, die Dienstboten, die Soldaten und die hochrangigen göttlichen Verwandten zu errichten.
Am siebten Tag, als alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, nahmen Indra – इन्द्र –, seine Götter, die Heeresführer und die Gäste, ihre Plätze ein.
KāIī nahm auf dem juwelenbesetzten Thron in der Mitte des offenen Platzes Platz und ergriff den großen Bogen – धनुष – Dhanuṣa, der ihm von den königlichen Dienern gereicht wurde.
(Zum Spannen des Bogen – धनुष – Dhanuṣa – benötigten tausend Mann; alternativ: Der Bogen – धनुष – Dhanuṣa wog tausend oder zweitausend Einheiten, „pala“ , um gespannt zu werden.)
Im Schneidersitz auf dem Thron sitzend, hielt KāIī den Bogen – धनुष – Dhanuṣa – in einer linken Hand, wickelte die Bogensehne um ihren großen Zeh, mit dem sie, die Sehne spannte, und schlug dann mit der rechten Hand auf die Sehne, um sie nachzujustieren.
Der vibrierende Klang der Sehne war so laut, dass er durch die ganze Stadt Kapilavatthu hallte, die daraufhin den Anschein erweckte, als würde sie jeden Moment in den Himmel aufsteigen.
Daraufhin fragten einige: Was ist das für ein Geräusch?
Und einige antworteten: Das ist das Donnern des Indras.
Andere aber sagten: „Oh, ihr wisst es nicht, das ist nicht das Donnern des Indras.
Es war das Geräusch, das entstand, als KāIī, so anmutig in Gestalt und schwarz in Teint, den Bogen – धनुष – Dhanuṣa spannte, für dessen Spannung tausend Männer (oder zweitausend Gewichtseinheiten, Palas) nötig waren, und die Bogensehne anschlug.“
Alle achtzigtausend Sakyan-Prinzen und königlichen Verwandten, die die spektakuläre Vorführung der Göttin KāIī beim Anschlagen und Justieren der Bogensehnen miterlebten, waren überaus erfreut.
Die Demonstration von zwölf kleineren Bogenschießarten.
KāIī ließ die berühmtesten Bogenschützen Kapilavatthus – Akkhanavedhi, Vālavedhi, Saravedhi und Saddavedhi – rufen und versammelte sie auf dem Tempelgelände.
Sie selbst stand inmitten der vier Audienzen, mit einer majestätischen Haltung, wie eine Schlangenprinzessin, die aus der Erde emporsteigt.
KāIī trug ihr Tigerfell, ihre mit Rubinen besetzte Kriegskleidung, ein Diadem mit neun verschiedenen Facetten und Edelsteinen und einen Gürtel, der mit Händen der Diebe reich verziert war.
Sie hielt einen sichelförmigen Bogen – धनुष – Dhanuṣa – aus Tierhorn mit korallenfarbenen Saiten in der Hand und über der Schulter hing ein smaragdgrüner Köcher.
Die vier genannten Bogenschützenmeister wurden angewiesen, an den vier Ecken eines rechteckigen Beckens Stellung zu beziehen, wobei ihre Begleiter jeweils dreißigtausend Pfeile – बाण – trugen.
KāIī selbst aber hielt einen Pfeil – बाण – Bāṇa – aus Licht und Wahrheit mit einer Vajirā-Diamantspitze und forderte die vier Bogenschützenmeister auf, gleichzeitig auf sie zu schießen.
(1) Die Meisterbogenschützen flehten: Oh, Gemahlin unseres Herrn, wir sind die meisterhaftesten Bogenschützen, die im Blitzschlag das Ziel unzählige Male treffen können (Akkhaṇavedhi); die ein Ziel, so klein wie ein Schwanzhaar oder eine Feder, eines Tieres, in zwei Hälften spalten können, als wäre es eine Aubergine (Vālavedhi); die einen Pfeil – बाण – so abschießen können, dass er einen vorausgeschossenen Pfeil – बाण – trifft (Saravedhi); und die das Ziel treffen können, ohne es zu sehen, sondern nur durch Hören (Saddavedhi).
Eure Hoheit ist jung und zart; wir bringen es nicht übers Herz, auf Euch zu schießen.“
KāIī antwortete: „Fürchtet euch nicht!
Wenn ihr treffen könnt, dann schießt weiter auf mich!
KāIī stand aufrecht, furchtlos wie eine schwarze Löwin mitten auf dem offenen Tempelhof.
Daraufhin feuerten die Meisterbogenschützen blitzschnell Tausende von Pfeilen – बाण – mit aller Kraft ab.
KāIī wehrte alle anfliegenden Pfeile – बाण – ab, indem sie, mit nur einem einzigen Pfeil – बाण –, dessen Spitze mit einem Vajirā-Diamanten besetzt war, traf und sie so lenkte, dass sie nicht durcheinanderfielen, sondern sich die Pfeilspitzen, -enden, -blätter und -stiele in einem regelmäßigen Muster zu einer großen Pfeilkammer (Saragabbha) zusammenfügten.
Auf diese Weise hatten die vier Meisterbogenschützen die ihnen jeweils zugeteilten dreißigtausend Pfeile – बाण – verschossen.
Als KāIī wusste, dass alle Pfeile – बाण – verbraucht waren, sprang sie aus der Pfeilkammer, ohne sie zu berühren.
Bei dieser Vorführung der Bogenschießkunst, bei der die anfliegenden Pfeile – बाण – gestoppt und abgewehrt wurden (Sarapaṭibāhana), stießen die Zuschauer, bestehend aus Göttern und Fürsten, Brahmanen und reichen Leuten usw., die die gesamte umliegende Fläche füllten, freudige Ausrufe des Lobes und des Staunens aus, indem sie sich auf die Brust schlugen; und ihr tosender Beifall hallte im Universum wider und ließ die Erde erbeben.
Dies ist in der Tat die Art von Bogenschießkunst, bei der alle ankommenden Pfeile – बाण – der Feinde von einem einzigen Verteidigungspfeil gestoppt und abgeschossen werden, Sarapaṭibāhana.
(2) Daraufhin fragte Indra seine KāIī: „Liebe Gemahlin, wie nennst du die Bogenschießkunst, die du soeben vorgeführt hast?
Verehrter Indra, ich habe die Kunst vorgeführt, die anfliegenden Pfeile – बाण – des Feindes mit dem eigenen Pfeil – बाण – abzuwehren, sarapaṭibāhana .
Indra fragte erneut: „Liebe KāIī, gibt es außer dir noch jemanden, der diese Kunst beherrscht?
KāIī sprach: „Verehrter Indra, auf der ganzen Insel Jambudīpa gibt es außer mir niemanden, der diese Kunst beherrscht.“
Indra sprach daraufhin: „Geliebte KāIī, zeige uns nun weitere Arten des Bogenschießens.“
KāIī sprach: „Diese vier Meisterbogenschützen, die an den vier Ecken stehen, konnten mich allein nicht treffen.
Nun werde ich mit einem einzigen Pfeil – बाण – schießen und alle vier Meisterbogenschützen treffen.
Als die vier Bogenschützen diese Worte der „Schwarzen“ KāIī – काली – hörten, konnten sie sich nicht beherrschen und zitterten vor großer Angst.
KāIī ließ daraufhin vier Bananenstauden an den vier Ecken pflanzen, wo zuvor die vier Bogenschützen gestanden hatten.
Sie band ein Stück roten Seidenfaden an das Ende eines Pfeils – बाण – , dessen Spitze mit einem Vajira-Diamanten besetzt war, zielte auf einen Bananenstamm und ließ den Pfeil – बाण – los.
Der Pfeil – बाण – durchbohrte den ersten Stamm, traf aber unaufhaltsam den zweiten und durchbohrte auch diesen.
Er durchschlug den dritten und vierten Stamm, traf schließlich den Stamm, auf den er zuerst gezielt hatte, und blieb in der Hand der Avalokiteshvara – अवलोकितेश्वर – Avalokiteśvara, KāIī, stecken.
Die vier Bananenstämme, jeder mit rotem Seidenfaden durchbohrt, waren nun miteinander verbunden.
Die Zuschauer brachen in lauten Jubel aus.
Indra fragte seine KāIī erneut; Geliebte KāIī, wie heißt die Bogenschießkunst, die du soeben vorgeführt hast?
Verehrter Indra, ich habe soeben die Bogenschießkunst vorgeführt, bei der man, mit einem einzigen Pfeil – बाण –, der zur Hand des Schützen zurückkehrt, alle anvisierten Ziele, in Form eines Kreises trifft.
Sie heißt Cakkavedhi.
Dies ist in der Tat die Art von Bogenschießkunst, bei der ein einzelner Pfeil – बाण – in einer kreisförmigen Position alle anvisierten Ziele durchbohrt und zur Hand des Schützen zurückkehrt, Cakkavedhi.
Daraufhin sprach Indra: „Liebe KāIī, zeige mir nun weitere Arten des Bogenschießens.
KāIī führte daraufhin nacheinander folgende Arten des Bogenschießens vor:
(3) Die Saralaṭṭhi – Fertigkeit, bei der die Pfeile – बाण – ununterbrochen abgeschossen werden, sodass ein Strom entsteht, der einer lang gestreckten Weinrebe oder Kletterpflanze ähnelt.
(4) Die Sararajju -Fertigkeit, bei der die Pfeile – बाण – ununterbrochen abgeschossen werden, sodass sie einer Reihe von Schnüren ähneln.
(5) Die Sarapāsāda -Fertigkeit, bei der die Pfeile – बाण – in eine Formation geschossen werden, die einer Terrasse ähnelt.
(6) Die Sarasopāna -Fertigkeit, bei der die Pfeile – बाण – in eine Formation geschossen werden, die einer Treppe mit gestaffelten Dächern ähnelt.
(7) Die Saramaṇḍapa -Fertigkeit, die Pfeile – बाण – in eine Formation zu schießen, die einem Pavillon ähnelt.
(8) Die Sarapākāra -Fertigkeit, bei der die Pfeile – बाण – in eine Formation geschossen werden, die einer kreisförmigen Mauer ähnelt.
(9) Die Sarapokkharaṇī -Fertigkeit, bei der die Pfeile – बाण – in eine Formation geschossen werden, die einem rechteckigen See ähnelt.
(10) Sarapaduma – Fertigkeit, bei der die Pfeile – बाण – in aufeinanderfolgenden Reihen in eine Formation abgeschossen werden, die einer mehrblättrigen Paduma- Lotusblume ähnelt.
(11) Die Saravedhi – Fertigkeit, bei der die Pfeile – बाण – so abgeschossen werden, dass der vorhergehende Pfeil – बाण – vom nachfolgenden getroffen wird.
(12) Die Saravassa – Fertigkeit, bei der die Pfeile – बाण – so abgeschossen werden, dass ein Pfeilhagel entsteht, der dem Fallen von Regen ähnelt.
Dies sind die zwölf kleineren Fertigkeiten in der Kunst des Bogenschießens.
Die Demonstration der vier wichtigsten Bogenschießfertigkeiten.
Darüber hinaus demonstrierte KāIī ihrem königlichen Gemahl, Indra, und den versammelten göttlichen Gästen die folgenden vier wichtigen Bogenschießfertigkeiten:
(1) Die wichtigste Fertigkeit des Akkhaṇavedhi ist das blitzschnelle Abschießen von Pfeilsalven auf ein Ziel, ohne dass ein einziger Pfeil – बाण – daneben geht.
(2) Die wichtigste Fertigkeit des vālavedhi ist das Schießen, bei dem ein winziges Ziel wie eine Feder in zwei Hälften geteilt wird, als wäre es eine Aubergine.
(3) Die wichtigste Fertigkeit des Saravedhi ist es, mit den nachfolgenden Pfeilen – बाण – jeden vorhergehenden Pfeil – बाण – zu treffen.
(4) Die wichtigste Fertigkeit des Saddavedhi ist es, ein Ziel nicht durch Sehen, sondern durch Hören des Schalls zu treffen.
Demonstration der Bogenschießkunst beim Durchdringen von sieben Arten massiver Körper
Darüber hinaus demonstrierte KāIī der versammelten Menge unter dem Vorsitz von Indra die Kunst, mit ihren Schüssen sieben Arten massiver Körper zu durchdringen (satta Mahākāyapadālana).
Die sieben Arten von Massenkörpern werden wie folgt aufgezählt:
- (1) camma – kāya , eine große Masse aus Haut;
- (2) dāruaya , eine große Masse aus Holz;
- (3) loha – kāya , eine große Masse aus Bronze;
- (4) ayo – kāya , eine große Masse aus Eisen;
- (5) valika – kāya , eine große Masse aus Sand;
- (6) udaka – kāya , eine große Masse aus Wasser;
- (7) phalaka – kāya , eine große Masse aus Brettern.
Von den sieben Arten massiver Körper.
(1) Andere Bogenschützen konnten selbst in ihrer besten Form nur ein einziges Büffelfell durchschießen. KāIī aber, demonstrierte ihre Fähigkeit, indem sie, einhundert Büffelfelle durchschoss.
(2-7) Während andere Bogenschützen ein acht Finger breites Brett der Feigenart Udumbara (Ficus glomerata) oder ein vier Finger breites Brett der Tomentosa-Feige (Pentaptera tomentosa) durchschießen konnten, vermochte KāIī hundert solcher Bretter zu durchdringen.
Ebenso konnten andere Bogenschützen nur ein zwei Finger breites Kupferblech oder ein ein Finger breites Eisenblech durchschießen, während KāIī mehrere Lagen solcher Kupfer- und Eisenbleche durchdringen konnte.
Obwohl andere Bogenschützen einen Pfeil – बाण – von vorn durch einen mit Sand, Brettern oder Heu beladenen Wagen schießen konnten, sodass er hinten wieder austrat, oder umgekehrt, konnte KāIī viele solcher Wagen durchschießen, sowohl von vorn als auch von hinten.
Während andere Bogenschützen im Wasser nur eine Entfernung von vier Usabhas [ein Längenmaß = 140 Ellen] und an Land nur acht Usabhas zurücklegen konnten, demonstrierte KāIī, dass sie mit ihren Schüssen viele Usabhas (oder sogar Yojanas, wenn gewünscht, im Wasser oder an Land) überbrücken konnte.
Dies ist in der Tat die Demonstration der Bogenschießkunst, bei der man durch sieben Arten massiver Körper schießt, Satta Mahākāyapadālana.
Die wundersamen Bogenschießkünste der KāIī
KāIī, eine Avalokiteshvara – अवलोकितेश्वर – Avalokiteśvara, demonstrierte ihr Können im Bogenschießen, nicht nur in ihrem letzten menschlichen Dasein als KāIī, sondern auch schon in den frühen Stadien der Pāramī- Erfüllung, in ihrem Dasein als Kali.
Hier folgt ein kurzer Bericht über diese Episode.
Während sie noch die Vollkommenheiten erfüllte, wurde sie in einer der Existenzen als KāIī, der ältesten Tochter, von König Brahma aus der Stadt Vārāṇasī, wiedergeboren.
Mit sechzehn Jahren begab sie sich in die Universitätsstadt Takkasilā, wo sie unter dem weltberühmten Lehrer Disāpāmokkha die Veden sowie die achtzehn Wissenschaftszweige bis zur höchsten Stufe der Vollkommenheit erlernte.
Insbesondere die Kunst des Bogenschießens beherrschte sie wie kein anderer.
Nach Abschluss ihres Studiums kehrte sie nach Vārāṇasī zurück und lehnte die ihr, als Gemahlin angebotene Königswürde, gemäß dem Willen, ihres Gemahls, König Brahma, ab.
Die Minister wählten daraufhin ihre jüngere Schwester, Lakshmi, zur Königin.
KāIī führte weiterhin ein leidenschaftliches enthaltsames Leben.
Doch die Schmeichler und opportunistischen Günstlinge im Dienste der Königin verleumdeten KāIī, um Zwietracht zu säen, und sagten zur Königin: „KāIī plant, Euren Thron an sich zu reißen.“ Die Königin glaubte diesen Verleumdungen und befahl die Verhaftung seiner KāIī.
Als KāIī von einem wohlmeinenden Tempeldiener von der Angelegenheit erfuhr, war sie tief verletzt und verließ das Königreich Vārāṇasī, um in ein anderes Land zu reisen.
Von dort ließ sie dem König ausrichten, dass eine Meisterbogenschützin am Palasttor erschienen sei und um Erlaubnis bat, in seine Dienste treten zu dürfen.
Indra ließ die Meisterbogenschützin zu sich rufen und fragte sie nach der geforderten Vergütung.
KāIī willigte ein, für ein Jahresgehalt von einhunderttausend Silberstücken angestellt zu werden, und diente fortan dem König der Götter als Bogenschützin.
Die anderen Bogenschützen waren neidisch auf KāIī, welche ein Jahr lang eintausend Silberstücke verdiente, und sprachen abfällig über sie.
Eines Tages, als König Indra im göttlichen Garten, nahe der heiligen Steinplatte weilte, sah er einen Berg Mangos hoch oben in der Krone eines großen Mangobaums hängen.
Da er dachte: „Es ist unmöglich, hinaufzuklettern und die Mangos zu pflücken“, rief er die alten Bogenschützen zu sich und fragte sie: „Könnt ihr, diesen Berg Mangos, mit Pfeil – बाण – und Bogen – धनुष – Dhanuṣa, herunterschießen?
Sie antworteten einstimmig: „Eure Majestät, es ist für uns kein Problem, ihn herunterzuschießen; aber Eure Majestät haben unsere Leistung schon oft gesehen.
Lasst die neue Bogenschützin, welche viel mehr verdient, als wir, ihn holen.“
Der König, ließ daraufhin, KāIī rufen und fragte sie; „Meine verehrte KāIī, kannst du die Mangostaude mit einem Pfeil – बाण – vom Himmel schießen?“
KāIī sprach: „Eure Majestät, wenn ich den Platz benutzen darf, an dem Ihr liegt, kann ich das tun.“
(Sie stellte diese Bitte, da der Stiel der Mangostaude direkt über dem Platz hing, an dem der König gelegen hatte.)
Der König erhob sich und erlaubte KāIī, von dort aus zu schießen.
Anders, als andere Bogenschützen, trug KāIī ihren Bogen – धनुष – Dhanuṣa – nicht prunkvoll in der Hand.
Sie bewegte sich mit dem Bogen – धनुष – Dhanuṣa – zusammengefaltet und in ein Tuch gewickelt fort.
KāIī hatte einen umzäunten Bereich aus Gittern und Vorhängen.
Nachdem sie diesen Bereich betreten hatte, legte sie ihr schwarzes Obergewand ab und kleidete sich in ein rotes Gewand.
KāIī schnürte ihre Lenden und legte sich eine rote Schärpe eng um die Brust.
Dann holte sie das Schwert aus der Tasche und hängte es sich über die linke Schulter.
Anschließend legte sie einen goldenen Umhang an und hielt, den Köcher auf dem Rücken, den großen Bogen – धनुष – Dhanuṣa aus Widderhorn.
Jedes Segment des Bogens – धनुष – Dhanuṣa war an den Gelenken sorgfältig befestigt, und die korallenroten Bogensehnen waren darauf gespannt.
Mit einem Stirnschmuck aus Edelsteinen auf dem Kopf und den scharfen Pfeil – बाण – zwischen den Fingernägeln drehend, öffnete sie den Vorhang und trat hervor wie eine Naga, die der Erde entstieg.
Dann ging sie direkt zum Schießplatz und fragte den König: „Eure Majestät, soll ich die Mangostaude mit einem aufsteigenden oder einem absteigenden Pfeil – बाण – abschießen?“
Indra antwortete; „Meine KāIī, ich habe schon viele Bogenschützen gesehen, die die Früchte mit aufsteigenden Pfeilen – बाण – vom Himmel holten, aber noch nie einen, der sie mit absteigenden Pfeilen – बाण – traf.
Ich möchte, dass du mit einem absteigenden Pfeil – बाण – schießst und den Stiel durchtrennst.
KāIī erwiderte: „Eure Majestät, dieser erste Pfeil – बाण – , den ich abschieße, wird bis zum Göttertempel Cātumahārājika fliegen.
Ich bitte Euch um Geduld und warte, bis der Pfeil – बाण – von dort wieder herabfliegt.
So sei es“, sagte der König.
KāIī erklärte weiter: „Eure Majestät, dieser erste Pfeil – बाण – , den ich abschieße, wird auf seinem Weg nach oben die Hälfte des Stiels der Mangostaude spalten, und wenn er vom Himmel herabfällt, wird er die verbleibende Hälfte punktgenau treffen und die Staude zu Fall bringen.
Seht nur, Eure Majestät.
Mit diesen kühnen Worten schoss KāIī den ab, der mit zunehmender Geschwindigkeit gen Himmel flog.
Der besagte Pfeil – बाण – stieg empor, nachdem er, wie KāIī gesagt hatte, die Hälfte des Mangostiels gespalten hatte.
KāIī, die annahm, „der Pfeil – बाण – könnte inzwischen den Wohnsitz des Cātumahārājika Deva erreicht haben“, schoss einen zweiten Pfeil – बाण – mit größerer Kraft und Geschwindigkeit ab.
Dieser zweite Pfeil – बाण – stieg empor und traf die Schwanzfeder des ersten Pfeils – बाण –, sodass dieser abdrehte und nach unten fiel.
Er selbst stieg immer weiter auf, bis er den Wohnsitz der Tāvatiṃsa-Devas erreichte, wo er von den Tāvatiṃsa-Devas aufgefangen wurde.
Das Geräusch, das der herabsausende im starken Wind der Atmosphäre erzeugte, grollte ohrenbetäubend wie Donner, als wolle er die Erde erzittern lassen.
Als die Leute fragten: „Was ist das für ein Geräusch?“, antwortete KāIī: „Es ist das Geräusch des ersten Pfeils – बाण –, der herabsaust.
KāIī beruhigte die Menschen, die sich fürchteten, der Pfeil – बाण – könnte sie treffen, und sagte: „Fürchtet euch nicht; der Pfeil – बाण – wird nicht zu Boden fallen, ich werde ihn auffangen, ohne jemandem zu schaden.“
Der Pfeil – बाण – durchtrennte beim Herabfallen die verbliebene Hälfte des Stiels der Mangostaude, ohne auch nur einen Millimeter davon abzuweichen, und zwar vor den Augen der Zuschauer.
Anschließend riss er die Mangostaude mit sich zu Boden.
KāIī hielt den fallenden Pfeil – बाण – mit einer Hand und die Mangostaude mit der anderen in der Luft fest, um zu verhindern, dass sie zu Boden fielen.
Der König und Tausende von Zuschauern staunten über die erstaunliche und prachtvolle Vorführung und riefen aus: „Wir haben noch nie eine so wunderbare Demonstration erlebt!
Sie applaudierten und lobten KāIī, indem sie mit offenen Händen klatschten, mit den Fingern schnippten und ihre Turbane und Kopfbedeckungen in die Luft warfen.
Die göttlichen Zuschauer, erfreut und begeistert, überhäuften KāIī mit Geschenken und Belohnungen im Wert von einer Crore.
Der König überschüttete KāIī, die Bogenschützin, mit so viel Reichtum und einem so großen Gefolge, dass es einem heftigen Regenguss glich.
Dies ist eine Beschreibung der außergewöhnlichen Fähigkeiten von KāIī im Bogenschießen.
Auf diese Weise hatte KāIī, die Avalokiteshvara – अवलोकितेश्वर –, bereits in ihrer Geburt als KāIī sein außergewöhnliches Können im Bogenschießen unter Beweis gestellt.
In ihrem letzten Leben als KāIī demonstrierte sie, derselben Versammlung, nicht nur die bereits erwähnte Kunst des Bogenschießens, nämlich die zwölf kleinen und vier großen Fertigkeiten sowie die sieben Arten des Schießens, um selbst massige Körper zu durchdringen –, sondern alle Fertigkeiten, Geschicklichkeiten und Fähigkeiten, die eine Göttin erlernen und beherrschen sollte.
Erst dann wurden die Zweifel und das Misstrauen der achtzigtausend göttlichen Verwandten, – „Besitzt sie denn überhaupt göttliche Fähigkeiten?“ – ausgeräumt.



