Jainismus

«…Die dritte große religiöse Lehre auf dem indischen Subkontinent ist zugleich eine der ältesten Indiens. Vardhamana Mahavira unternahm ebenfalls im 6. Jh. v.u.Z. den Versuch, das komplexe brahmanistische System und die Vorherrschaft der Priesterkaste zu durchbrechen und zu reformieren. Der „große Held“ (Mahavira) und „Sieger“ (jina) – ein älterer Zeitgenosse von Gautama Buddha – hatte mit 42 Jahren das höchste Wissen erfahren und „eine Furt durch den Strom der Wiedergeburten“ ge-funden. Mit 72 Jahren -so berichten die heiligen Schriften – verzichtete er auf das Atmen und starb, um in „moksha“, dem Nirvana vergleichbar, am Rande des Kosmos in ewigem Glückszustand zu sein. Seine Anhänger überliefern für dieses Ereignis das Jahr 527 v.u.Z. Im Unterschied zur Lehre Buddhas, der einen „mittleren Weg“ zur Erlösung aus leid und Wiedergeburten für seine Anhänger predigte, forderte Mahavire die strengste Askese bis zur vollständigen weltentsagung. Mahavira verzichtete selbst auf die Kleidung als Besitz und überwand die Scham als eine soziale Bindung.

Oberstes ethisches Grundgesetz ist das Gebot, auch kleinste Lebewesen nicht zu töten. Die Jaina-Anhänger bevorzugen daher solche Berufe, die mit möglichst wenig Bewegung verbunden sind, z.B. Kaufleute, Bankier, Buchhalter, um nicht durch den luft-wirbel in die Gefahr zu kommen, ein Insekt zu töten. Die Lehre erkennt keine Weltschöpfung an, sondern nur das ewige Weltge-setz, das unverändert wirkt. Gleich den Menschen werden auch die Götter als zeitlich begrenzte Wesen in den Kreislauf der Wiedergeburten einbezogen. Die Jaina-Gemeinde steht jedem offen; sie erkennt keine Kastengliederung an, obwohl sie faktisch bei den Heiratsbeziehungen beachtet wird. Neben den Laien, die stets nur Teilforderungen an sich selbst erfüllen können, Leben die Asketen, ehelose Mönche und Nonnen, in strengster Selbst-kasteiung•
Die jainistische Lehre erfuhr nicht im gleichen Maße wie die buddhistische politische Unterstützung und Verbreitung, obwohl der erste Maurya-König Chandregupta Maurya (ca. 325 – 289 v.u.Z.) und zeitweilig auch Ashoka der Lehre gewogen waren.

Ihre Verbreitung blieb jedoch wesentlich auf Indien beschränkt.
Hauptgebiete liegen in Rajasthan, Gujerat (West-Indien) und in Südindien. Die Jaina-Anhänger zerfallen in 2 große Lager: Die Digambara oder „Luftgekleideten“, deren Mönche nackt laufen, und die Svetambare, deren Mönche sich in weiße Tücher hüllen.
Sie unterscheiden sich vor allem in der Anerkennung der heiligen schriften, der Angas, die in der mittelindischen Sprache
Ardhamagedhi abgefaßt sind.

In Indien lebten 1971 ca. 2,6 Millionen Jaina-Anhänger, ca. 0,47% der Gesamtbevölkerung (nach dem Census von 1971).

In der Legende um die Geburt des MAHAVIRA wird die Überlegenheit der Køhatriya-Kaste – nach hinduistischer Ansicht die zweite nach der Brahmanenkaste – über die Brahmanen zum Ausdruck gebracht: MAHAVIRA wurde zunächst von der Brahmanenfrau Devananda empfangen.

Auf Befehl Indras wurde der Embryo durch den göttlichen widderköpfigen Diener Negamesha entfernt und in den Leib der Fürstin Trishala gepflanzt.

Gott Indra selbst führte den Knaben nach seiner Geburt aus Irishala in einer Prozession umher und badete ihn zeremoniell.

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