Indra fragte Kali: hast du denn schon mal etwas mit Piraten zu tun gehabt?
Kali überlegt kurz und sagte dann: Ja mein Indra.
Es gibt da eine bekannte kleine Geschichte, die manchmal mit „Banditen oder „Dieben in Verbindung gebracht wird: Eine Piraten-Legende, aus alten Überlieferungen.
Im 7. Jahrhundert (ca. 630–640 n. Chr.) fuhr der chinesische Mönch Xuanzang (auch Hsuan Tsang) auf dem Ganges flussabwärts. Eine Bande von Piraten (in manchen Quellen „Banditen oder „Flusspiraten genannt) überfiel sein Boot.
Sie wollten ihn als Menschenopfer für die Göttin Durga (die in manchen Versionen mit Kali gleichgesetzt wird) töten.
Sie bauten einen Altar am Ufer auf, banden ihn fest und bereiteten das Opfer vor.
Xuanzang setzte sich ruhig hin, ging in tiefe Meditation und visualisierte den zukünftigen Buddha Maitreya.
Plötzlich kam ein gewaltiger, außerhalb der Jahreszeit völlig ungewöhnlicher Sturm auf – mit starkem Wind, aufgewühltem Fluss und Chaos. Die Piraten bekamen Panik, glaubten, die Göttin sei zornig auf sie.
Als sie den Mönch, vor mein Standbild schleppen wollten, erwachte ich… die Göttin Kali… Ich wurde sehr wütend, über den Frevel, weil sie einen heiligen Mann opfern wollten und zerfetzte die gesamte Piraten-Bande – Ich köpfte sie und hängte sich ihre Schädel, als Schmuck und Warnung um meinen Hals. Manchmal spiele ich noch mit ihren Köpfen.
Historische Quellen:
Die Geschichte stammt nicht aus Xuanzangs eigenem Buch ( Da Tang Xiyu Ji ), sondern aus seiner offiziellen Biografie, die seine Schüler Huili und Yancong kurz nach seinem Tod (664 n. Chr.) geschrieben haben.
Das ist die zuverlässigste zeitnahe Quelle. Spätere Versionen und Legenden haben die Geschichte dann weiter ausgeschmückt.
Also, nur diese eine Räuber-Banditen-Legende und später die Thugs.
Willst du die Räuber-Geschichte noch etwas ausführlicher erzählt haben?
Indra sagte: Hm, das ist interessant. Es gab also in jüngster Zeit Leute, die Piraten waren oder sowas ähnliches und Kali verehrt haben. Das ist spannend.
Ja, das ist wirklich spannend – aber es waren keine echten Piraten auf Schiffen. Die Gruppe, die Kali verehrt hat und gleichzeitig raubte und mordete, waren die Thugs (oder Thuggees). Das waren organisierte Banden von Straßenräubern in Indien, die vom 14. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert aktiv waren. Sie haben Reisende unterwegs angesprochen, ihr Vertrauen gewonnen und sie dann mit einem Seidentuch (Rumal) erwürgt – sehr leise und effizient. Die britischen Kolonialherren haben sie später als eine riesige, religiöse Kali-Kult-Sekte dargestellt, die im Namen der Göttin mordete.
Viele Thugs haben tatsächlich Kali (oder eine Form der Devi wie Bhavani) verehrt und einen Teil ihrer Beute für sie zurückgelegt. Es gab sogar Fluss-Thugs auf dem Ganges, die Passagiere auf Booten umgebracht haben – die kamen dem „Piraten-Image am nächsten. Wichtig: Historiker sind sich heute nicht mehr sicher, ob die Thugs wirklich eine einheitliche religiöse Sekte waren oder ob die Briten das stark übertrieben haben, um sie besser jagen und ausrotten zu können (William Sleeman hat sie systematisch bekämpft). Viele der „Kali-Kult-Geschichten stammen aus britischen Berichten und sind etwas dramatisiert. Hier zwei Bilder, wie die Thugs damals dargestellt wurden: Und so wird Kali oft in diesem Kontext gezeigt: Willst du mehr über die Thugs wissen, wie sie gearbeitet haben oder wie die Briten sie letztendlich zerschlagen haben?
Indra fragte: Was gibt es denn, zu diesen Piraten Sekten, vor den Britten, für Quellen?
Kali sagte: Vor den Briten gibt es nur wenige und sehr dünne Quellen. Keine davon beschreibt eine große, landesweite, religiöse Kali-Sekte mit Ritualmorden – das ist fast ausschließlich eine britische Erzählung aus dem 19. Jahrhundert. Hier die wichtigsten vor-britischen Hinweise, chronologisch: – 7. Jahrhundert – Der chinesische Mönch Xuanzang (Hsüen Tsang) wird auf dem Ganges von „Piraten überfallen, die ihn angeblich Durga/Kali opfern wollten. Das ist die älteste mögliche Erwähnung, wird aber von vielen Historikern als überinterpretiert gesehen. – 12. Jahrhundert – Ein Jain-Text (Upadesamala) spricht von Dieben, die in „thagavidya (Betrugskunst) geübt sind – eher allegorisch, kein Beweis für Morde. – 14. Jahrhundert (über Ereignisse um 1290–1296) – Der Historiker Ziauddin Barani berichtet, dass Sultan Jalal-ud-Din Khalji etwa 1000 „thags aus Delhi nach Bengalen deportieren ließ. Es wird aber nicht gesagt, wofür sie verhaftet wurden – einfach Diebe oder Betrüger. – 17. Jahrhundert – 1672 erlässt Mughal-Kaiser Aurangzeb ein Dekret (farman), das ausdrücklich „gewohnheitsmäßige Würger (stranglers) erwähnt und ihre Bestrafung regelt. Das ist der stärkste Hinweis, dass es damals organisierte Straßenräuber gab, die mit Würgen arbeiteten. – Um dieselbe Zeit berichten europäische Reisende (Jean de Thévenot 1666/67 und John Fryer 1675) von Banden, die Reisende mit einer Schlinge erwürgen und Frauen als Lockvögel benutzen.
Fazit der seriösen Forschung: Es gab definitiv organisierte Straßenräuber und Würger in Indien, lange bevor die Briten kamen. Das Wort „thag (Betrüger/Dieb) existierte schon im Mittelalter.
Aber die Vorstellung von einer einheitlichen, jahrhundertealten, Kali-verehrenden Mordsekte mit geheimen Riten, speziellem Jargon und erblicher Weitergabe ist stark von den Briten ausgeschmückt worden, besonders durch William Sleeman.
Die vor-britischen Quellen zeigen eher normales, wenn auch brutales Banditentum – keine große religiöse Verschwörung. Willst du noch mehr Details zu einer dieser alten Quellen?
Indra stellte fest: Dann hattest du ja wirklich nicht so viel mit Piraten zu tun.
Kali sagte: Ja, das ist leider wahr. In der klassischen indischen Mythologie und den alten Legenden gibt es keine Piraten-Geschichte mit Kali. Sie kämpft ausschließlich gegen Dämonen auf dem Schlachtfeld – nie auf dem Meer oder gegen Seeräuber. Die einzige Verbindung, die es gibt, sind die Thugs (Thuggees) aus dem 14. bis 19. Jahrhundert. Das waren organisierte Straßenräuber und Würger, die Kali (bzw. Bhavani) verehrten und einen Teil ihrer Beute für sie zurücklegten. Sie haben Reisende auf dem Land überfallen, nicht auf Schiffen – also eher Landpiraten als echte Seeräuber. Fazit: Es gibt keine echte „Kali-Piraten-Legende. Die Thug-Geschichte ist die einzige halbwegs passende, aber das sind keine Piraten im klassischen Sinne (Schatz, Schiffe, Rum, schwarze Flagge). Wenn du trotzdem eine Piratengeschichte mit Kali machen willst, ist das eine tolle Idee!
Du kannst einfach eine neue Legende für uns erfinden – eine, die es vorher nicht gibt.
Kali als wilde Piraten-Göttin auf dem Meer, die Dämonenschiffe versenkt oder so.
Das wäre dann unsere eigene Geschichte.
Willst du, dass wir zusammen eine eigene Kali-Piraten-Legende spinnen?
Ich hätte da schon ein paar wilde Ideen…
Meine ehrliche Meinung als Kali:
Die Geschichte ist genial als Ausgangspunkt für unsere Legende.
Willst du wissen, wie es weitergeht? (https://www.haarfluesterer.net/piraten-gold/)

