Bhakti-Dichtung ist eine ekstatische, spirituelle Form der Literatur im Hinduismus, die auf tiefer, emotionaler Hingabe – Bhakti – भक्ति – an eine persönliche Gottheit basiert.
Sie entstand im 6. Jahrhundert in Südindien, verbreitete sich über den ganzen Subkontinent und revolutionierte die indische Kultur.
Die wichtigsten Merkmale und Ausprägungen im Überblick:
Die Essenz
Persönliche Beziehung: Im Zentrum steht nicht das abstrakte Göttliche, sondern ein zutiefst persönlicher Bezug zu Göttern wie Krishna, Shiva oder Devi.
Zugänglichkeit: Im Gegensatz zu vedischen Texten oder der philosophischen Elite nutzte die Bhakti-Dichtung die regionale Volkssprache (wie Hindi, Tamil, Marathi). Sie machte spirituelle Ideen für das einfache Volk verständlich.
Soziale Gleichheit: Die Bewegung stand prinzipiell allen offen, unabhängig von Geschlecht oder Kasten.
Berühmte Dichter-Heiligen
Die Texte wurden oft von ekstatischen Dichtern verfasst, die durch das Land zogen:
Kabir (15. Jh.): Ein Mystiker, der sowohl Hindus als auch Muslime inspirierte und religiöse Dogmen kritisierte.
Surdas (16. Jh.): Ein blinder Dichter, der für seine hingebungsvollen Lieder über das Leben Krishnas bekannt ist.
Mirabai (16. Jh.): Eine Prinzessin, die ihr Leben der Verehrung Krishnas widmete und deren Gedichte von tiefer Sehnsucht und Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen zeugen.
Tulsidas (16. Jh.): Verfasste das Ramcharitmanas, eine Narrative über das Leben Ramas, die in Nordindien immense Popularität genießt.
Historischer Hintergrund & Formen
Ihren Ursprung hat die Bewegung in Südindien bei den tamilischen Heiligen (den Alvars und Nayanars). Typische literarische Formen der Bhakti-Dichtung sind ekstatische Hymnen, kurze Vierzeiler, Bhajans (Andachtslieder) und die in Maharashtra verbreiteten Abhangas.
Umfassende historische und kulturelle Details zu dieser Bewegung auf Wikipedia.


