Zionismus

«…Tag-21: Indra fragte Kali: Wie lässt sich denn der Zionismus vom ursprünglichen Judentum, was wir in unserem Beitrag beschreiben, abgrenzen?

Kali sprach: Zionismus und das ursprüngliche Judentum, sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Der Zionismus ist eine säkulare, politische, nationalistische Bewegung, mit religiösem Anstrich, weil er das Judentum bewusst von der Religion entkoppelt und zu einer ethnisch-nationalistischen Identität gemacht hat.

Das „Volk“ Isarael, soll sich ähnlich der völkischen Bewegung über ihre Abstammung und Nationalismus definieren.

Nichtmehr nur über die Tora.

Ende des 19. Jahrhunderts in Europa entstanden ist – Theodor Herzl und die meisten frühen Zionisten waren bewusst areligiös oder sogar antireligiös – Sie wollten Juden nicht als religiöse Gemeinschaft, sondern als normales Volk wie alle anderen definieren – mit eigener Sprache, eigener Kultur und einem eigenen Staat

Zionismus sagt: Wir Juden tun es selbst , jetzt, mit Politik, Einwanderung und Staat. Der Messias spielt dabei keine Rolle. Deshalb haben viele große orthodoxe Rabbiner den Zionismus scharf abgelehnt – als Gotteslästerung und vorzeitige Erlösung durch Menschenhand

Gruppen wie Neturei Karta oder Satmar-Hasidim lehnen den Staat Israel bis heute aus genau diesem religiösen Grund ab

Das orthodoxe Judentum, sieht den Zionismus oft als Verrat am eigentlichen Judentum. Das ist der tiefste Unterschied zum Judentum.

Tag-76: Indra fragte: wieweit passt der Politische, Nationalistische Zionismus, der aktuell in Palästina vorherrscht, aus politikwissenschaftlicher Sicht in diese Einordnungen?

Kali sprach: Aus politikwissenschaftlicher Sicht lässt sich der politische, nationalistische Zionismus – insbesondere in seiner aktuell dominierenden, rechts-religiösen Ausprägung unter Akteuren wie der Likud-Partei und rechtsextremen Kräften wie dem Kahanismus – differenziert in diese Kategorien einordnen.

Einordnung als „monolithische Ideologie“?

Nein, die Struktur ist nicht monolithisch.

Aus politikwissenschaftlicher Sicht ist der Zionismus historisch und aktuell kein einheitlicher, starrer Block.

  • Pluralismus statt Gleichschaltung: Der Zionismus ist extrem fragmentiert. Es gibt säkularen, liberalen, sozialistischen (Arbeiter-Zionismus) und religiösen Zionismus.
  • Demokratischer Rahmen: Innerhalb Israels gibt es harte politische Debatten, freie Wahlen und eine aktive Opposition. Das System erzwingt keine ideologische Gleichschaltung aller jüdischen Bürger unter einer einzigen „Parteilinie“, wie es im Stalinismus oder Nordkorea der Fall ist. [1] Einschränkung: Gegenüber der palästinensischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten wirkt die staatliche Politik für Kritiker und Beobachter oft wie ein geschlossenes, kompromissloses System. Aus Sicht der Totalitarismus-Theorie ist das System im Kern (für die eigene In-Group) jedoch eine fehlerhafte Demokratie und kein monolithischer Ein-Partei-Staat.

Indra fragte: Einordnung als Rechtstotalitarismus / Faschismus?

Kali sprach: Teilweise Überschneidungen bei Extremisten, aber kein faschistischer Staat.

Politikwissenschaftler ordnen die aktuelle israelische Regierungspolitik und den vorherrschenden Rechts-Zionismus in die Kategorien Ultrationalismus, Ethnonationalismus oder Rechtspopulismus ein, nicht aber pauschal als Faschismus.

Allerdings gibt es klare Parallelen zum Profil des Rechtstotalitarismus:

  • Exklusive Identität (Ungleichheit): Der radikale, aktuelle Flügel betont eine jüdische Vormachtstellung (jüdische Suprematie) und lehnt die Gleichberechtigung oder Eigenstaatlichkeit von Palästinensern strikt ab. Dies entspricht der rechtsgerichteten Idiologie einer Hierarchie von Ethnien.
  • Rückwärtsgewandter Mythos: Der religiös-zionistische Nationalismus beruft sich auf biblische und historische Ansprüche („Großisrael“), um die Ausweitung von Siedlungen im Westjordanland zu rechtfertigen.
  • Faschismus-Debatte: Einzelne Strömungen in Israel (wie der Kahanismus um Minister wie Itamar Ben-Gvir) werden von Historikern und israelischen Kritikern als „jüdischer Faschismus“ oder Rechtsextremismus eingestuft.

    Sie fordern den Entzug von Bürgerrechten oder die Vertreibung von Arabern.

    Das Gesamtsystem Israel ist jedoch weiterhin durch Gewaltenteilung und Kapitalismus geprägt, was der totalitären Kontrolle des klassischen Faschismus widerspricht.

Indra fragte Kali: Abgrenzung zum Linkstotalitarismus?

Kali sprach: Mit dem klassischen Linkstotalitarismus hat der aktuelle Zionismus keine Schnittmengen mehr.

Zwar wurde der Staat Israel 1948 maßgeblich von sozialistischen Zionisten (Kibbuz-Bewegung) mitbegründet, doch dieser linke Zionismus hat seit den 1970er Jahren massiv an Bedeutung verloren.

Die heutige israelische Wirtschaft ist ein hochentwickelter, globalisierter Kapitalismus und das genaue Gegenteil einer sozialistischen Planwirtschaft. 

Fazit: Der aktuelle nationalistische Zionismus in der Region ist keine klassische monolithische Ideologie wie der Stalinismus, da er in einer eher pluralistischen Gesellschaft agiert.

Er weist jedoch in seiner radikalen Regierungsform starke Merkmale des Rechtsextremismus und Ethnonationalismus auf: Er begründet Herrschaft und Landanspruch über Herkunft und Religion, ordnet liberale Werte seiner nationalen Sicherheit unter und grenzt die palästinensische Out-Group rechtlich und physisch strikt aus.

Möchtest du näher untersuchen, was die Politikwissenschaft unter einem „Ethnostaat“ versteht?

Indra fragte: Wieweit passt der Politische, Nationalistische Zionismus, der aktuell in Palästina vorherrscht, aus politikwissenschaftlicher Sicht  Einordnen?

Kālī sprach: Ein Ethnostaat definiert Zugehörigkeit primär über geteilte Kultur und Ethnizität, während ein rassistischer Staat auf biologischen, pseudowissenschaftlichen Rassenlehren basiert.

Während der Ethnostaat oft kulturelle Assimilation erlaubt, beruht der rassistische Staat auf unveränderbarer biologischer Hierarchie, Suprematie und systemischer Ausbeutung.

Interessiert dich der historische Wandel vom linken Judenstaat (1896 Herzl) zum rechten Zionismus in Israel?

Fortsetzung: Christlicher Zionismus (https://www.haarfluesterer.net/christlicher-zionismus/)

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