Tantriker

«…Indra fragte Kali neugierig: Was ist denn ein Tantriker?

Kali holte ein Buch raus und sagte; Schau, ein Tantriker ist jemand, der Tantra praktiziert – eine uralte indische spirituelle Tradition, die ungefähr ab dem 6.–8. Jahrhundert richtig aufgeblüht ist.

Im Kern geht es darum, dass man die Welt nicht ablehnt , sondern sie als Weg zur Befreiung benutzt.

Der Tantriker sieht alles – Körper, Sinnlichkeit, Energie, sogar das, was andere „sündig nennen – als Werkzeug, um zur Einheit mit dem Göttlichen zu kommen.

Die drei großen Merkmale eines echten Tantrikers: – Er arbeitet mit Shakti – der weiblichen Urkraft.

Deshalb hat fast jeder Tantriker eine starke Verbindung zu Göttinnen wie Kali, Durga oder Tripura Sundari.

– Er benutzt Techniken : Mantras, Yantras (magische Diagramme wie das Sri Yantra), Mudras, Atemübungen und oft auch Rituale, die bewusst Tabus brechen.

– Er will nicht nur Erleuchtung , sondern auch Siddhis – übernatürliche Kräfte.

Ein klassischer Tantriker strebt nach Macht, sowohl spirituell als auch weltlich.

Es gibt zwei große Richtungen: – Den rechtshändigen (dakṣiṇa) – eher meditativ, symbolisch, „sauber.

– Den linkshändigen (vāma) – der berühmt-berüchtigte Pfad, der bewusst mit Alkohol, Fleisch, Sex und Tabus arbeitet, um die Illusion der Trennung zu zerbrechen.

Wichtig zu verstehen: Das, was heute im Westen als „Tantra verkauft wird (Paar-Massagen und Orgasmus-Workshops), hat mit dem klassischen Tantriker so gut wie nichts zu tun.

Ein echter Tantriker war oft ein Asket, der auf Friedhöfen meditiert, Schädel als Trinkgefäße benutzt und mit Kali tanzt – nicht jemand, der Paar-Seminare gibt.

Indra überlegte eine Weile und sagte: Das klingt ja als wär er eine Art Schamane, aber eher für sich selbst.

Du hast das sehr gut beobachtet.

Ja, es gibt tatsächlich Parallelen zum Schamanen, aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Der Schamane arbeitet für sein Volk .

Er reist für andere in die Geisterwelt, heilt Kranke, spricht mit den Ahnen, bringt Regen oder Jagdglück für die Gemeinschaft.

Er ist Diener seiner Sippe. Der Tantriker hingegen ist ein Einzelkämpfer. Er arbeitet fast ausschließlich für sich selbst .

Er will seine eigene Energie erwecken, seine eigenen Grenzen sprengen, seine eigene Göttliche Kraft entfachen.

Er sucht nicht das Wohl der Gemeinschaft, sondern seine eigene Befreiung und Macht.

Noch ein wichtiger Unterschied: Der Schamane benutzt meist Pflanzenmedizin oder Trommel, um in Trance zu gehen.

Der Tantriker benutzt seinen eigenen Körper, seine Sexualität, seinen Atem und seine Willenskraft als Werkzeug – ohne Drogen.

Kurz gesagt: Ein Schamane ist ein Heiler für andere. Ein Tantriker ist ein Krieger für sich selbst.

Beide gehen in extrem gefährliche innere Welten – aber der Tantriker macht es allein, ohne Stamm, ohne Dorf, ohne Schutz.

Er steht ganz nackt vor der Göttin und sagt: „Nimm mich oder zerstöre mich.

Deshalb haben echte Tantriker oft etwas sehr Einsames und gleichzeitig sehr Intensives an sich.

Indra fragte daraufhin: Gibt es denn auch Fälle, in denen Tantriker auch Schamanen waren, die auch viel erfolgreicher waren?

Ja, es gibt solche Fälle – und die erfolgreichsten sind in Tibet .

Der Bon-Tradition (die alte Schamanen-Religion Tibets) und dem tibetischen Tantra (Vajrayana-Buddhismus) sind so stark miteinander verschmolzen, dass viele Praktizierende beides gleichzeitig sind.

Die bekanntesten Beispiele sind: – Die Ngakpas (tantrische Hausväter-Lamas), die gleichzeitig als Schamanen arbeiten.

Sie machen Trance-Rituale, Exorzismen, Geisterbeschwörungen und Heilarbeit für das Dorf – genau wie ein Schamane – und benutzen dabei tantrische Mantras, Yantras und Energiearbeit.

– Die berühmten State Oracles von Tibet (z. B. der Nechung-Orakel), die in Trance von Geistern besessen werden und Prophezeiungen geben.

Das ist pure Schamanik, aber sie sind gleichzeitig hochtrainierte Tantriker.

– Viele Chöd-Praktizierende – die auf Friedhöfen sitzen, Trommeln schlagen und sich selbst als Opfer darbringen.

Das ist eine perfekte Mischung aus tantrischer Praxis und schamanischer Trance.

Diese Mischwesen sind oft erfolgreicher als reine Tantriker oder reine Schamanen, weil sie beide Werkzeuge haben: Die innere Energie-Arbeit des Tantra + die direkte Verbindung zur Geisterwelt des Schamanismus.

Deshalb sagt man in Tibet oft: Ein guter Ngakpa ist gleichzeitig Tantriker und Schamane.

Zwei Bilder dazu: Die erste zeigt ein Kalachakra-Mandala – das ist reines tibetisches Tantra.

Die zweite zeigt einen tibetischen Ritualmeister mit Trommel und Glocke – das ist der schamanische Teil, den viele Tantriker auch praktizieren.

Willst du, dass wir tiefer in die tibetische Mischform eintauchen?

Das ist nämlich eine der wildesten und mächtigsten Kombinationen, die es gibt.

Perfekter Platz für die Tantriker ist hier: In der Liste der Religionen passen die tibetischen Tantriker (Ngakpas) am besten in diesen Abschnitt: >

Alte Mystische und esoterische Traditionen > (individuelle oder eingeweihte spirituelle Wege)

Dort stehen schon: non-institutionalized Vajrayana Buddhism (Dzogchen, Mahasiddhas, Togden).

Die Ngakpas gehören genau da rein – sie sind praktisch die lebende Verkörperung davon.

Warum nicht woanders? Unter Indigene und traditionelle Religionen passt es nicht ganz, weil es kein reiner Natur-Schamanismus ist, sondern hochentwickeltes tantrisches System.

– Unter Ersatzreligionen wäre es komplett falsch. – Unter Buchreligionen auch nicht, weil es mündlich und initiatisch ist.

Vorschlag für den Eintrag:

Tibetische Tantriker / Ngakpas (Hausvater-Tantriker, die gleichzeitig:

Schamanen, Magier und Yogis sind.

Sie praktizieren Vajrayana außerhalb der Klöster, machen Trance-Rituale, Exorzismen und arbeiten direkt mit wilder Shakti-Energie.) Das würde wunderbar zwischen die anderen mystischen Traditionen passen.

Und Indra fragte wieder: Gibt es noch mehr in dieser Welt der indigenen Völker?

Weiter: Indigene und traditionelle Religionen – https://www.haarfluesterer.net/indigene-und-traditionelle-religionen/