Tara Sadhana

«…Tag-0009: Kali sprach: Eine Tara Sādhana bezeichnet die zielgerichtete spirituelle Praxis und Meditation, die der Göttin Tara gewidmet ist.

Da Tara sowohl im buddhistischen Tantra als auch im hinduistischen Tantra eine zentrale Rolle einnimmt, unterscheidet sich die Sadhana in beiden Traditionen grundlegend in Charakter, Absicht und Durchführung.

1. Buddhistische Tara Sadhana (Die Retterin und Befreierin)

Im tibetischen Buddhismus (Vajrayana) ist Tara die Essenz des erleuchteten Mitgefühls und die „Mutter aller Buddhas“. Sie schützt Praktizierende vor den acht inneren und äußeren Ängsten (wie Stolz, Ignoranz, Zorn oder Anhaftung). Am häufigsten praktiziert werden die Sadhanas der Grünen Tara (für schnelles Handeln und Schutz) und der Weißen Tara(für Langlebigkeit, Heilung und Weisheit). [2, 3, 4, 5, 6]

Der Ablauf: Eine klassische buddhistische Sadhana folgt einer präzisen mentalen Struktur und setzt oft eine formelle Einweihung (Abhisheka) durch einen Lama voraus:
Zuflucht und Bodhicitta: Zufluchtnahme zu den drei Juwelen und das Erzeugen der Motivation, Erleuchtung zum Wohle aller Wesen zu erlangen.

Visualisierung: Der Praktizierende stellt sich Tara auf einer Lotusblüte vor ihm oder über seinem Kopf strahlend vor. In fortgeschrittenen Sadhanas (Generationsstufe) visualisiert man sich selbst als die Gottheit, um die eigene Buddha-Natur zu wecken.
Mantra-Rezitation: Das Chanten des bekannten Mantras: Oṃ Tāre Tuttāre Ture Svāhā (oft begleitet von der Visualisierung reinigenden Lichts).

Widmung: Die Übertragung des erzeugten karmischen Verdienstes an alle fühlenden Wesen im Universum. [7]

2. Hinduistische/Tantrische Tara Sadhana (Die wilde Weisheitsgöttin)

Im hinduistischen Tantra (Shaktismus) ist Tara die zweite der Zehn Mahāvidyās – महाविद्याः (große Weisheitsgöttinnen). Sie ähnelt optisch Kali: Sie ist tiefblau oder schwarz, steht oft auf einem Leichnam (Shiva) auf einem Verbrennungsplatz, trägt eine Kette aus Schädeln und hält eine Schere oder ein Schwert. Sie symbolisiert die Ur-Wahrheit, die Macht des Wortes (Vak) und die zerstörerische, aber transformierende Kraft der Zeit, die das Ego abschneidet. [8, 9]

Der Ablauf: Sadhanas in dieser Tradition gelten als hochentwickelt und potenziell intensiv. Sie werden oft unter Anleitung eines erfahrenen Gurus durchgeführt:

Reinigung (Bhuta Shuddhi): Energetische Reinigung der fünf Elemente im eigenen Körper.

Tara Yantra & Puja: Verehrung eines geometrischen Tara-Yantras mit Opfergaben wie blauen Blumen, Räucherwerk und Licht.

Japa (Mantra-Wiederholung): Wiederholung machtvoller Bija-Mantras (Samen-Mantras) wie Oṃ Hrīṃ Strīṃ Hūṃ Phaṭ.
Ugra-Tradition (Aghora): In extremen linksseitigen Pfaden (Vama Marga) wird diese Sadhana nachts auf Verbrennungsplätzen (Smashana) durchgeführt, um die Angst vor dem Tod radikal zu überwinden.

Zusammenfassung der Unterschiede.

Merkmal Buddhistische Tara Sadhana Hinduistische Tara Sadhana
Hauptaspekt Sanftmütig, mütterlich, voller Mitgefühl Wild, ungezähmt, zerstörerisch-reinigend
Primäres Ziel Schutz, Überwindung von Ängsten, Erleuchtung Zerstörung des Egos, Erlangung von Siddhis, Befreiung
Klassisches Mantra – मन्त्र Oṃ Tāre Tuttāre Ture Svāhā ॐ क्रीं हूँ फट् स्वाहाOṃ Hrīṃ Strīṃ Hūṃ Phaṭ

Om, mit Krim (Kali-Samen), Hum (Schutz/Zerstörung), Phat (Explosionskraft) – Svaha (Opfergabe)

Atmosphäre Friedlich, meditativ, für jeden zugänglich Geheimnisvoll, intensiv, oft streng rituell
Suchst du nach einer Anleitung zur buddhistischen Praxis (z. B. der Grünen Tara) oder interessieren dich die esoterischen Rituale der Mahavidya-Tradition im hinduistischen Tantra?

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